Das Finanzgericht in Berlin wurde Ende 2006 geschlossen

Zum Nachteil der Berliner Bürger wurde das Berliner Finanzgericht nach Cottbus verlegt. Der Forderung von Cicero, das öffentliche Wohl soll das oberste Gesetz sein, stehen manche Berliner Politiker anscheinend verständnislos gegenüber.
 

 

Wiederwahl? Nein Danke!

Im Sommer 2006 fand die Wahl, bzw. Wiederwahl der ehrenamtlichen Richterinnen und Richter für das Finanzgericht Berlin-Brandenburg statt.

Einige ehrenamtliche Richterinnen und Richter des Finanzgerichts Berlin hatten sich nicht mehr zur Wiederwahl  für das Finanzgericht Berlin-Brandenburg mit Sitz in Cottbus zur Verfügung gestellt.

Die Fusion der Finanzgerichte Berlin und Brandenburg sahen sie als eine politische Entscheidung an, die gegen die Berliner Bürger gerichtet ist und stellten sich deshalb nicht mehr zur  Wiederwahl.

Hier die Begründung eines ehrenamtlichen Richters an den Präsidenten des Finanzgerichtes Berlin für seine Entscheidung, nicht mehr zu kandidieren.

Der Originaltext liegt dem Autor vor.

Sehr geehrter Herr Freitag! 

Vielen Dank für Ihr Schreiben vom 18. Mai 2006, in dem Sie mich zur Wiederwahl zum ehrenamtlichen Richter am Finanzgericht Berlin-Brandenburg vorschlagen wollen.

Nach reiflicher Überlegung, und ich habe es mir nicht leicht gemacht, werde ich mich nicht mehr zur Wiederwahl  stellen.

Für die Amtsperiode bis 31. März 2007 stehe ich selbstverständlich weiterhin zur Verfügung. 

Ich möchte Ihnen meine Entscheidung auch gerne Begründen. 

Über die politischen Hintergründe, die zur Errichtung gemeinsamer Fachobergerichte der Länder Berlin und Brandenburg für das Finanz-, Sozial- und Verwaltungsgericht ausschlaggebend waren, möchte ich nicht näher eingehen. 

Tatsache ist, dass es eine politische Entscheidung gab, das Finanzgericht Berlin mit dem Finanzgericht Brandenburg zum Finanzgericht Berlin-Brandenburg fusionieren zu lassen, mit Sitz in Cottbus.
Alle Berliner Bürger, die das Finanzgericht ab 2007 anrufen, werden dann gezwungen sein, bis nach Cottbus zu fahren.
In Zukunft wird in vielen Fällen der Streitwert einen Gang nach Cottbus aus wirtschaftlichen Überlegungen scheitern lassen, und das Rechtsempfinden vieler Bürger bleibt dann auf der Strecke.
Ich finde, dass diese politische Entscheidung eindeutig gegen die Berliner Bürger gerichtet ist und dass ich diese Entscheidung als ehrenamtlicher Richter nicht unterstützen und nicht mittragen werde.
Auch die Aussage der Justizsenatorin Schubert vor dem Senatsausschuss, in Berlin für das Finanzgericht  Verhandlungsräume zur Verfügung zu stellen, wurde in keiner Weise substantiiert und ist für mich nur als Lippenbekenntnis zu werten. 
Ebenso ist es für mich als juristischer Laie eindeutig ersichtlich, dass der gesetzlich garantierte Rechtsschutz des Bürgers zu dessen Nachteil verbogen wurde, um bestimmte politische Ziele durchsetzen zu können.

Auch die teilweise akademisch geführte Befragung im Senatausschuss befasste sich mit den Interessen des Bürgers nur rudimentär, die größte Befürchtung der Politiker war nur, ob der Fusionsvertrag der Gerichte grundgesetzkonform ist und Bestand haben wird.

Das Auftreten des Präsidenten des Finanzgerichts Cottbus in diesem Ausschuss ist für mich inakzeptabel.  Er hat in unangemessener Weise versucht, die Bürger Berlins und Brandenburgs gegeneinander auszuspielen und hat den Politikern, die leise Opposition wagten, Besitzstandsdenken vorgeworfen.
Auch dies ist für mich mit ein weiterer Grund, nicht als ehrenamtlicher Richter nach Cottbus zu gehen.

Ich bin nun seit 1991 ehrenamtlicher Richter am Finanzgericht Berlin und habe jahrelang im XXX Senat, den Herr XXX als vorsitzender Richter geleitet hatte, mitarbeiten dürfen.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich bei Herr XXX und bei allen anderen Kollegen für die sehr gute und angenehme Zusammenarbeit recht herzlich bedanken, fühlte man sich als ehrenamtlicher Richter doch voll im Senat integriert.
Ebenfalls fand ich die Leistung der vortragenden Richter immer hervorragend. Die manchmal stattfindenden fachlichen Streitgespräche zwischen den Berufsrichtern im Richterzimmer waren für mich immer ein Ausdruck
engagierter Rechtsfindung.
Ebenso, und das war auch immer mein Bestreben, wurde immer versucht, wenn das Gesetz und der Vorgang es erlaubten, im Streit zwischen dem Finanzamt und dem Bürger im Interesse des Bürgers zu vermitteln.

Für meine Entscheidung bitte ich Sie Herr Präsident Freitag um Ihr Verständnis und  wünsche Ihnen und Ihren Kollegen alles Gute.

Mit freundlichen Grüßen

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